Der Brunnen als Motiv

Brunnen tauchen als Motive in literarischen Texten, Bestsellerromanen und Filmen immer wieder auf. Die Bauwerke können dabei ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Manchmal erzeugt der Brunnen eine schaurige und düstere Atmosphäre, manchmal steht er symbolisch für die Liebe oder die Sehnsucht. Da Brunnen die Menschheit seit ewigen Zeiten faszinieren, haben sie auch schon lange ihren Platz in der kreativen Welt eingenommen. Nicht nur in Texten und Filmen, sondern auch in der Kunst ist der Brunnen präsent.

Häufig wird der Brunnen mit dem Quell des Lebens verbunden. Als Lebensspender beziehungsweise Jungbrunnen thematisieren viele Maler die Wasserstelle. Auch den Aspekt des Schöpfens verarbeiten viele Künstler in ihren Werken. Wird dem Brunnen eine negative Bedeutung zugemessen, dann assoziiert der Autor oder Regisseur ihn oft mit Gefangenschaft oder einem Zugang in die Welt des Bösen. Schon in der Bibel war der Brunnen ein Bauwerk mit zwei Seiten. Während Isaak im ersten Buch Mose seine zukünftige Frau Rebecca am Brunnen von Lahai-Roi entdeckt, ist die Zuschüttung des Brunnens durch die Philister im Buch Genesis mit viel Streit und Ärger verbunden. Auch in der Mythologie spielen Brunnen eine wichtige Rolle. Dort hat der Brunnen vornehmlich eine reinigende und verjüngende Funktion. So nahm zum Beispiel Hera, die Schwester des Zeus, ein jährliches Bad, um die regenerativen Kräfte des Wassers zu entfalten.

Der Brunnen im Märchen

Besonders die weltbekannten Märchen der Gebrüder Grimm thematisieren den Brunnen öfters in den unterschiedlichen Erzählungen. Vielen Kindern, aber ganz sicher auch den meisten Erwachsenen, wird das Märchen von Frau Holle und Goldmarie in Erinnerung sein. Ein armes Mädchen wird von ihrer Stiefmutter schlechter behandelt als die eigene Tochter. Eines Tages soll sie in einen Brunnen klettern, um eine verlorene Spindel zu suchen. Der Brunnen entpuppt sich als geheimes Tor zu einer Welt über den Wolken. Dort muss das Mädchen zwei Prüfungen meistern und trifft anschließend auf Frau Holle, die sie in ihren Dienst stellt. Eine Aufgabe umfasst das Bettausschütteln und den damit verbundenen Schneefall auf der Erde. Irgendwann möchte das Mädchen wieder nach Hause und Frau Holle bedankt sich mit Goldtalern für die vorbildliche Erfüllung der Aufgaben. Die böse Stiefmutter schickt nun in Erwartung des Goldes, ihre eigene Tochter in die Brunnenwelt. Die Aufgaben erledigt diese allerdings mehr schlecht als recht und wird deshalb von Frau Hölle mit lebenslangen Pechregen bestraft.

Ein weiteres bekanntes Märchen der Gebrüder Grimm ist der "Froschkönig". Der Königstochter fällt eine goldene Kugel in einen Brunnen. Daraufhin erscheint ein Frosch, der ihr anbietet, die goldene Kugel für sie zu suchen und ihr wieder zu bringen. Dafür muss sie aber versprechen, dass beide Spielkameraden werden. Die Prinzessin willigt ein und der Frosch bringt ihr die goldene Kugel. Das Mädchen hält sich nicht an die vorher getroffen Vereinbarung und rennt davon. Der Frosch folgt ihr auf das Schloss. Als der König von der Vereinbarung erfährt, befiehlt er der Tochter den Anweisungen des Frosches artig zu folgen. Die Prinzessin gehorcht und füttert den Frosch. Als dieser aber auch noch in ihrem Bett schlafen will, wird es der Königstochter zu viel und wirft ihn gegen die Wand. Da verwandelt sich der Frosch in einen schönen König. Dieser erzählt der Prinzessin, dass eine böse Hexe ihn in einen Frosch verwandelt habe.

Viele weitere Märchen verarbeiten das Brunnenmotiv in ihren Erzählungen. Dass der Brunnen im Märchen so einen hohen Stellenwert genießt, lässt sich mit seiner mittelalterlichen Funktion erklären. Brunnen waren früher nicht nur ein Ort, an denen die Menschen Trinkwasser schöpfen konnten. Der Brunnen war auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt, an denen Neuigkeiten und Gerüchte ausgetauscht wurden. Auch Geschichten wurden sich erzählt und da liegt es nahe, dass der Brunnen schnell seinen Platz im Märchen gefunden hat.

Der Brunnen in der Literatur

Auch in der Belletristik spielt das Brunnenmotiv immer wieder eine wichtige Rolle. Viele Romane tragen den Brunnen als Symbol im Titel, auch wenn das Bauwerk im Text an sich keine so große Rolle spielt. So wählt beispielsweise Martin Walser mit "Ein springender Brunnen" einen entsprechenden Aufmacher für seinen autobiographischen Roman. Auch für seinen ergreifenden Tatsachenbericht über den Umgang von KZ-Inhaftierten in Buchenwald wählte der Autor Fred Wander den symbolischen Titel "Der siebente Brunnen". In literarischen Texten selbst kommen selbstverständlich auch Brunnen in sämtlichen Formen und Ausführungen vor. Auch die aktuelleren Neuerscheinungen spielen immer wieder mit dem Brunnen als Motiv.

Der Brunnen im Film

Viele berühmte Filme verarbeiten den Brunnen auf verschiedene Art und Weise. Negativ behaftet, ist der Brunnen zum Beispiel bei dem Horrorfilm "The Ring" aus dem Jahr 2002. Denn dort wird die Wasserstelle zum Grab eines jungen Mädchens. Die Handlung beginnt mit einem gruseligen Video, das zu mysteriösen Todesfällen führt. Im Verlauf des Filmes wird die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das von ihrer Adoptivmutter in einen Brunnen geworfen wurde und dort elendig verendete. 2004 kam eine Fortsetzung heraus und zeigt abermals düstere Bilder des Brunnens. Die Buchvorlage für den Film kommt übrigens aus Japan.

In eine ganz andere Richtung geht der Film "Am Brunnen vor dem Tore" aus dem Jahr 1952. Die Handlung ist eher mau, dafür kommen Schlagerfans voll auf ihre Kosten. Der Film thematisiert die Sorgen der jungen Gastwirtin Inge, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss. Es wird dabei keine Gelegenheit ausgelassen, ihre Gedanken mit volkstümlicher Musik zu untermalen. Eine klassische Heimatromanze eben.


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